Der Schäferlauf in neuerer Zeit

Es wird berichtet, dass sich der Charakter des Festes nach Auflösung der Schäferzünfte im Jahr 1828 verändert hat. Ab diesem Zeitpunkt übernahm die Stadt Wildberg die Ausrichtung. Die Repräsentanten der Stadt und zahlreiche Vereine, Trachten- und Folkloregruppen waren im Festzug vertreten. Der Wildberger Schäferlauf wurde zu einem Volksfest mit bester Unterhaltung. Seine wesentlichen Elemente blieben aber immer erhalten.

Nach dem ersten Weltkrieg fand das Fest jeweils in den geraden Jahren statt, während zuvor die ungeraden maßgebend waren. Man darf davon ausgehen, dass von Kriegszeiten abgesehen, die Festtradition sorgsam und ohne Unterbrechung gepflegt wurde. Bis heute empfinden die Wildberger sie als ein Stück Heimat und als eine Rückblende in die eigene Vergangenheit.

Der erste Schäferlauf nach dem zweiten Weltkrieg war mit einem Heimattag verbunden. Man ließ sich von einem Volksfest gefangen nehmen, das knappe fünf Jahre nach Kriegsende, also 1950, durch Mut und Optimismus getragen wurde. Der Wildberger Ehrenbürger Eugen Memminger (1892-1987) widmete seiner Heimatstadt in diesem Jahr ein Gedicht:

Heimat Du, sei uns gegrüßt!
Du hast uns so freundlich gerufen,
und wir kommen voll Lust,
mit dir zu feiern dein Fest.
Fröhlichen Volkes Gewimmel
Durchströme von neuem die Gassen,
suchend und findend die Heimat,
die wir so lange entbehrt.

Wer alt genug ist, um sich an diese Zeit zu erinnern, der kann nachvollziehen, welche Gefühle Eugen Memminger bewegt haben. In der Festschrift nahm der damalige Bürgermeister Paul Widmann dazu Stellung. Er beklagte, dass ein Bombenangriff in den letzten Kriegswochen die alte Oberstadt in Trümmer gelegt hatte. Der Wiederaufbau war noch längst nicht abgeschlossen. Auch das hat Memminger in sein Gedicht einfließen lassen:

Aber gar schmerzlich,
o Heimat brennt uns noch alle die Wunde,
die dir die Furie des Krieges
mitten ins Angesicht schlug.
Nun aber wollen wir dort an der Nagold grünem Gestade
Wieder uns freuen beim Fest,
wie wir es einst gekannt.