Der Nordschwarzwald, seine Täler und Schluchten, seine Städte und vor allem auch Wildberg sind mit ihrer Topographie alles andere als barrierefrei. Trotzdem möchte die Stadt als Veranstalter des Schäferlaufs allen Menschen – mit und ohne Handicap – ermöglichen, an dem größten Heimat-, Brauchtums- und Traditionsfest des Nordschwarzwaldes teilzuhaben.

Bereits Mitte Februar fand deshalb ein Online-Meeting zwischen den Mitgliedern des Inklusionsbeirats des Landkreises Calw und der Pressebeauftragten der Stadt Wildberg statt. Bei diesem durfte Michaela Leven von den Erfahrungen, die beim Stadtfest in Calw gemacht wurden, profitieren.

Der Inklusionsbeirat um Martin Weisser und Nicolai Stotz hatte sich im Vorfeld der 950-Jahr-Feiern in Calw viele Gedanken zum Thema Barrierefreiheit gemacht. Manches wurde verwirklicht und war erfolgreich, anderes erwies sich als nicht durchführbar. Eine wichtige Erkenntnis war jedoch: Menschen mit Handicap machen sich bereits weit im Vorfeld einer Veranstaltung Gedanken, ob sie diese besuchen können oder nicht. Für die Stadt Wildberg bedeutet das, dass bereits vor einem Event möglichst viele, für Menschen mit Handicap relevante Informationen kommuniziert werden müssen. Insbesondere auf digitalem Weg – also beispielsweise auf der Schäferlauf-Webseite unter www.schaeferlauf-wildberg.de – sollten relevante Eckdaten wie barrierefreie Parkmöglichkeiten, Standorte barrierefreier Toiletten oder barrierefreie Zugänge mitgeteilt werden. 

 

So wird das neue Wissen beim Wildberger Schäferlauf 2026 eingesetzt

Ein wichtiger Schritt in Sachen Infrastruktur konnte bereits im Frühsommer 2026 erfolgen. Der Hauptweg im Kloster Maria Reuthin sowie die Flächen um den Klosterbrunnen und bis zur Meiereischeune wurden neu asphaltiert, die restlichen Wege aufgearbeitet. Sie befinden sich nicht nur mitten im Festgelände des Wildberger Schäferlaufs, sondern stellen auch den Zugang zum behindertengerechten WC dar. Dabei wurde unter anderem darauf geachtet, künftig bei Veranstaltungen möglichst wenige bis gar keine Kabelbrücken verlegen zu müssen. Zudem haben Michaela Leven und das Schäferlauf-Organisationsteam das neue Wissen genutzt, um die Pläne, die im Flyer abgedruckt und großformatig am Festgelände aufgehängt werden, zu optimieren.

Auch beim Parken wird – wie schon in Vorjahren – an die Barrierefreiheit gedacht: In der „Talstraße“, in der Nähe des Festgeländes, wird es einen barrierefreien Parkplatz mit mehreren Stellplätzen geben. Dieser ist natürlich auch im Übersichtsplan ausgewiesen. Am Schäferlauf-Sonntag ist dieser Parkplatz allerdings nur bis 11 Uhr anfahrbar, da dann die Festzugstrecke aus Sicherheitsgründen gesperrt werden
muss. 

Zudem werden mehr barrierefreie WCs aufgestellt als in den Vorjahren. Dabei wird darauf geachtet, dass es sich um moderne Dixie-Boxen handelt. Diese werden am Festgelände platziert, außerdem wird eine der Boxen direkt am barrierefreien Parkplatz aufgestellt.

Während des Schäferlaufs sind Shuttle-Busse im Stadtgebiet unterwegs. In den Gesprächen mit den Busunternehmen haben die Organisatoren darum gebeten, wenn möglich barrierefreie Busse (keine Reisebusse) einzusetzen.

 

Möglichkeiten zum Sitzen und Ausruhen

Das Schäferlauf-Organisationsteam um Maximilian Ormos und Eberhard Fiedler hat sich bei einer Begehung der Festzugstrecke unter anderem angeschaut, an welchen Stellen entlang der Strecke Bänke aufgestellt werden können. Hierfür wurden mehrere Plätze festgelegt. Auf diesen Bänken können sich Festzug-Besucher – auch Senioren und Familien mit jungen Kindern – hinsetzen, bei langen Strecken kurz ausruhen und zuschauen. Die Bewohner des Pflegeheims in Wildberg wohnen direkt an der Festzugstrecke und können seit jeher entweder von den Balkonen oder vom Straßenrand aus zuschauen und teilhaben.

Auch die Marktstandbetreiber wurden in die Überlegungen zur Reduzierung von Barrieren eingebunden. Sie werden aufgefordert, zum Beispiel Preislisten niedriger anzubringen, damit Kinder, kleinere Menschen und Rollstuhl-Fahrer die Aushänge auf Augenhöhe lesen können. 

Für die Bestuhlung im Festzelt laufen derzeit Überlegungen, in einem Bereich weniger Bänke aufzustellen, sodass Rollstuhl-Fahrer unter die Biertische fahren können.

Generell gilt – und da sind alle Mitfeiernden gefragt –, Menschen mit Handicap wahrzunehmen, anzusprechen und gemeinsam nach Lösungen oder Vereinfachungen zu suchen. Oder vielleicht einfach auch einmal mit anzupacken.